Rundbrief 1

Rundbrief 1

Liebe Leute,

„Ein Jahr anders leben“ ist das Motto der Jesuit-Volunteers. Ich erweitere es auf „Ein Jahr anders sehen, hoeren, essen, fuehlen, erwarten, denken, ueben…“

Mein gut 25 stuendiger Flug ueber Abu Dhabi und Delhi nach Bagdogra war zum einen sehr lang und anstrengend, zum anderen hat alles sehr gut geklappt. – Ich habe keinen Flug verpasst, bin durch alle Zoelle gekommen und hab kein Gepaeckstueck verloren.

Flughafen Bagdogra

Flughafen Bagdogra

Ein kleiner Exkurs fuer alle die mich besuchen wollen bzw. zuckuenftige Volunteers die das hier lesen werden: Egal was in Deutschland vom Reisebuero oder von der Airline gesagt wird, man muss sein Gepaeck am ersten indischen Flughafen vom Band holen und im Domestic Terminal zum Transferschalter bringen, ansonsten bleibt es einfach dort liegen.

In Bagdogra wurde ich von Father Stanley und meinem Held des Tages, unserem Fahrer Kumal  abgeholt. Der Verkehr, ein beliebtes Thema von vielen Reisenden in dieser Region der Erde, wirkte auf  mich im ersten Moment sehr chaotisch, aber schon nach kurzer Zeit erkannte ich ein System und spaetestens in den Bergen hatte ich riesigen Respekt vor allen Fahrern, da oft nur ein Blatt Papier zwischen die Saitenspiegel gepasst hat. (Man verzeih mir uebrigens die Schachtelsaetze – ich lese zur Zeit Thomas Mann…)

Vor den Bergen ging es fuer uns aber noch kurz nach Siliguri ins Haus der Jesuiten. Dort lernte ich 3 angehende Fathers  kennen (nach jeweils 12-15 Jahren Ausbildungszeit – Noviziat ist dies erst moeglich) und ich konnte meine erste regionale Speise geniessen. Fuer mich ueberraschend – sie war gar nicht scharf und wie in den folgenden Tagen auch musste ich selbst nachschaerfen – erstes Vorurteil beseitigt.

Die Hills

Die Hills

Die Hills, oder besser gesagt das Himalaya-Vorgebirge ist unbeschreiblich schoen. Alles  so steil und gruen – oft steht man ueber oder gar mitten in den Wolken. Auf teils sehr holprigen, teils sehr guten Strassen ging es kurvig steil nach Darjeeling. Die gesamte Fahrt hing ich wie ein Hund am Fenster, der zum ersten mal Auto faehrt – keunen Huegel wollte ich mit meinen Augen verpassen.

Auf dem Weg nach Darjeeling

Auf dem Weg nach Darjeeling

Dort angekommen wurde ich herzlich von Father Paul begruesst. Die naechsten 4 Tage verbrachte ich im oben bereits erwaehnten „Hayden Hall“, wo wir unter anderem die notwendige Registrierung meiner Person vornahmen. Ausserdem besuchte ich noch verschiedene Tempel, den aufregenden Markt und den Zoo mit Tieren der Region (auch riessige Tiger mit leider viel zu kleinen Gehegen – wie in wohl fast jedem Zoo der Welt).

Aeffchen am Hindu-Tempel

Aeffchen am Hindu-Tempel

:)

🙂

Japanischer Tempel

Japanischer Tempel

... in den Wolken

… in den Wolken

Ausserdem merkte ich schnell, dass das Hupen der Fahrer ganz anders  als in Deutschland zu verstehen ist, wo es meist eher aggressiv oder auffordernd wirkt. Hier nehme ich es eher als freundlichen Hinweis darauf war, sich vorzusehen und das Auto um die Ecke zu warnen.

Am Samstag morgen ging es dann fuer mich nach Kalimpong zu meinem neuen zuhause fuer fast ein ganzes Jahr. Die ersten Tage dienten wie die Zeit zuvor in Darjeeling als entspannte Eingewoehnungszeit. Nur die Beine baumeln lassen gelang mir allerdings doch nicht und so ging ich durch gefuehlte 10 Jahre Volunteer-Ueberbleibsel und sortierte es je nach Verwendung. Es waren vor allem Noten, Notizen, Buecher, CDs und Sprachuebungen.

Am ersten Tag stand mir noch Brother Saber zur Seite und zeigte mir die alte sowie die neue Schule. Wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut und so war es umso trauriger, dass er Kalimpoing am naechsten Morgen vorerst fuer immer verlassen muss, da er sich um seine Eltern kuemmern und studieren wird – ein Wiedersehen haben wir uns aber gegenseitig fest versprochen.

Nun lebe ich hier mir Father John und Borther Rajib inder Gemeinschaft, bis dann bald auch meine Mit-Freiwillige Lousia ihr Visum bekommt und uns Gesellschaft leistet. Die Zimmer sind sehr einfach eingerichtet und es ist mehr als Platz fuer alle wichtigen sowie unwichtigen Sachen, die man fuer ein Jahr so braucht. Bis auf die teils unertraegliche Hitze (wer streicht ein Dach bitte schwarz!?!), fuehle ich mich hier mehr als wohl, und die Hitze wird auch sehr bald weichen.
An Kuebeldusche, gefiltertes Wasser und viele Hupen gewoehnte ich mich auch erstaunlich schnell.

Gestern wurde ich offiziell in der Gandhi Ashram Schule vorgestellt – 250 Kinder die im Chor „Good morning  Henri“ sagen, das bewegt. Generell ist es normal, dass in der Schule alle Schueler die Lehrer je nach Tageszeit mit „good morning/afternonn/evening Sir“ begruessen.

Die neue Schule ist sehr schoen gestaltet und mit etwas Phantasie kann man sich schon vorstellen, wie alles einmal aussehen koentte, wenn die Bauarbeiten eines Tages beendet sein werden. Aber gerade in der Regenzeit fallen manche Tage auf der Baustelle buchstaeblich ins Wasser…

Ich habe auch ziemlich schnell eine gute Geige gefunde, die morgen gleich offiziell zum Einsatz kommen wird, wenn wir im Quintett mit Lehrern und fortgeschrittenen Schuelern 2 sehr interessante Stuecke eines koreanischen Komponisten waehrend einer Schulauffuehrung zum besten geben werden. Generell unterrichtet die Schule nur Schueler bis zur achten Klasse, aufgrund des einzigartigen Konzepts und der – bei allem Repekt – familiaeren Stimmung der Schueler und Lehrer untereinander, kommen sehr viele aeltere Schueler zum Orchester oder einfach nur zu Besuch waehrend ihrer Freizeit in die Schule zurueck. Ausserdem organisiert die Schule jeden morgen einen Fahrdienst mit dem schuleigenem Bus fuer alle Kinder, deren weiterfuehrende Schulen weit entfernt liegen und die sich kein Sammeltxi leisten koennen.

Naechste Woche faengt fuer mich dann der regulaere Unterricht an und mein Stundenplan sah ziemlich voll aus. Ausserdem wollen wir 4 Musiklehrer einen neuen Lehrplan fuer alle Klassen erarbeiten, dass wird sicherlich sehr interessant. Ich werde berichten…

Noch ein paar Eindruecke:

Blick vom Dach meines Zimmers

Blick vom Dach meines Zimmers

Mein Zimmer

Mein Zimmer

...mit Besuch...

…mit Besuch…

DSCN1061 DSCN1189 DSCN1194 DSCN1227 DSCN1230

Advertisements