Rundbrief 2

Rundbrief 2

Zeit für meinen nächsten Rundbrief, so viel ist passiert, obwohl ich gerade mal 6 Wochen hier bin. Ich schließe gleich den letzten Brief, der mit meinem ersten Schultag hier endete, an.Die nächsten Tage standen ganz im Zeichen der Feast-Days, zu Ehren des Gründers des Jesuitenordens Ignatius von Loyola. Die Schulaufführung war sehr interessant, da ich zum ersten Mal Nepali-Lieder und -Tänze bestaunen konnte, sowie ein Schauspiel des Lebens Saint Ignatius das von den Lehrern selbst aufgeführt wurde. Beeindruckend war, dass die Kinder die Tänze ganz ohne Lehrer einstudiert haben – die älteren üben ganz selbstverständlich mit den jüngeren und geben ihr Können so an die nächste „Generation“ weiter.
Unser Quintett-Beitrag war auch ein voller Erfolg und ich entdeckte meine Liebe zu Chicken-Masala!
Die Feast-Days hatten gerade erst angefangen und so besuchten wir die nächsten Tage verschiedene Wirkungsstätten der Jesuiten und auch eine Nonnenschule, in welcher ich – wie auch im Noviziat – einer tollen Aufführung beiwohnen dürfte, natürlich nicht ohne jeweils gemästet zu werden 🙂 sooooo lecker.In der nächsten Woche haben wir Musiklehrer dann zu Beginn den Lehrplan erarbeitet und wir werden in Zukunft die Stunden aller Musikgruppen der jeweiligen Klassen mit dem selben Lehrmaterial füllen, sodass wir einmal pro Woche alle Gruppen einer Stufe zusammenführen können, die dann zusammen die gleichen Stücke und Übungen spielen. Wir versuchen also Gruppen- und Klassenunterricht zusammenzuführen.
Außerdem haben wir angefangen – und mittlerweile auch beendet – die Instrumente zu katalogisieren, sodass jeder Schüler immer auf dem selben spielen kann, auch wenn er oder sie sich das Instrument jeweils mit Schülern anderer Klassenstufen teilen muss, da wir nicht genügend haben um jedem Schüler sein eigenes zu stellen oder gar mit nach Hause zu geben.Dazu kommt, dass wir zu diesem Zeitpunkt nicht einmal genug passende Bögen für die schnellwachsenden Schüler der über 30 köpfigen fünften Klasse hatten, sodass ich gezwungener Maßen sehr schnell von meinem Kollegen Bidhan in die Kunst des Bogenbespannens eingeführt wurde.
Nach der Schule habe ich also die nächsten Wochen viele Stunden in der Werkstatt zugebracht und einige Geigen und Bögen wieder spielfertig gemacht, soweit es in meiner Macht stand. Einige ernste Reparaturen, welche aufgrund der dauerhaft hohen Luftfeuchtigkeit an vielen Instrumenten nötig geworden sind kann aber nur ein erfahrener Geigenbauer durchführen, den wir im September vielleicht sogar wirklich begrüßen können. Das würde einige Verbesserungen in der Unterrichtsplanung möglich machen.
Schön war auch, dass mir immer mal wieder ein paar Schüler Gesellschaft leisteten und aktiv bei der Reparatur mitarbeiteten, da sie von Caroline – einer Bogenbauerin, welche hier schon 2 mal als Freiwillige in der Werkstatt gearbeitet hat – einiges im Neubespannen gelernt haben und mir weitergeben konnten.Ich besuchte auch zum ersten Mal die Stadt auf Kamm des Hügels – Kalimpong. Im Vergleich zu Darjeeling ist sie kleiner und gemütlicher und trotzdem entdecke ich bis heute bei jedem Besuch so viele neue Orte und Läden mit den unterschiedlichsten Sachen und bis heute habe ich es noch nicht geschafft das richtige Taxi zurück zu bekommen. Mit Taxi meine ich übrigens ein Sammeltaxi in der Größe eines wirklich kompakten Kleinbusses/Vans. Gemacht sind diese regulär für 5 Leute, ich saß aber auch schon einmal zu zwölft darin 😀
Das Wetter war die meisten Tage sehr warm und vor allem nach dem steilen Aufstieg jeden Morgen zur Schule wär mir eine Dusche – oder ein Kübel – sehr gelegen gekommen.

Ich würde auch, wie schon von meinen Vorgängerinnen angekündigt ziemlich bald von ein paar Schülern nach Hause eingeladen. Danach haben sie mir vergnügt ihren „Pool“ gezeigt – ein Wasserbecken, welches eigentlich zur Bewässerung der Reisfelder benutzt wird, aber zur Zeit wohl mehr als Planschgelegenheit für alle Kinder der Region dient. Dann führten sie mich noch zu einem sehr imposanten Aussichtspunkt, zu dem traditionell jeder Freiwillige geführt wird. Auf dem Weg zeigten sie mir so viele Bäume und Pflanzen, von denen ich in Deutschland höchstens die Früchte kannte: Orange, Avocado, Chilli (sooooo lecker!), Litschi, Mango (nach denen ich dank Father Paul süchtig geworden bin), Granatapfel und die beste Frucht der Welt – Jackfruit! Soweit ich weiß bekommt man diese in Deutschland gar nicht und da sie mir bis dato unbekannt war, muss ich sie kurz beschreiben:

Sie wächst an riesigen Bäumen und hat selbst locker die Größe einer Wassermelone, aber eher das Äußere Erscheinungsbild einer grünen und somit unreifen Papaya. Im inneren sind ganz viele haselnussgroße Kerne umhüllt von einer Menge Fruchtfleisch welches einfach herrlich und ähnlich einer Mango schmeckt. Von einer ausgewachsenen Frucht kann man mindestens 4 Leute satt kriegen und das tollste ist, die Kerne kann man wiederum kochen oder braten und wie Nüsse essen. Zudem kann man es auch frühreif wie einen Kürbis zubereiten.
What a view

What a view…

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Ein paar Wochen vor dem indischen Independentsday beginnen landesweit überall Fußballturniere. Das Finale gibt es dann genau am Independentsday. Soweit hat es aber unsere Lehrermanschaft nicht geschafft, da wir gleich im ersten Spiel erbarmungslos 0:6 von der achten Klasse der Exschüler, welche noch mit der Schule verbunden sind (bei uns Borders genannt), geschlagen wurden. Lustig und vor allem heiß war es trotzdem.Das nächste Wochenende verbrachte ich dann in Darjeeling, welches in einer anderen Art von Sammeltaxi erreichte. Es erinnert mehr an ein Safarifahrzeug und in jeder Sitzreihe sind 4 Plätze direkt im Voraus der Fahrt buchbar. Die letzte Reihe ist nicht zu empfehlen, da man sich nur anlehnen kann, wenn einer der Sitznachbarn so freundlich ist sich vor zu lehnen. Ich habe mich stillschweigend mit meinem Nachbarn abgewechselt.
In Darjeeling konnte ich auch noch einer Ordination/Priesterweihe von 3 Jesuitenbrüder beiwohnen. Diese fand im Konzertsaal einer sehr großen von Jesuiten geleiteten Internatsschule statt. Diese Art von Schulen wurden meist in der Kolonialzeit für die Kinder der Englischen Besatzer gebaut und sind oft, wie auch die North Point Schule, riesig in ihren Dimensionen.
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Ordination

North Point

North Point

Knapp eine Woche später war ich dann schon wieder in Darjeeling, diesmal aber mit Umweg über Siliguri und Bagdogra um von dort meine Mitfreiwillige Louisa und eine andere Freiwillige Pia, welche in Hayden Hall arbeiten wird, vom Flughafen abzuholen. Es war sehr aufregend sich in die beiden hineinzuversetzen und aus zweiter Hand sozusagen nochmal diese ersten Eindrücke zu erleben. Ich war bestimmt genauso aufgeregt wie die beiden selbst. In Darjeeling haben wir dann ein paar Tage verbracht und ihre Registrierung erledigt. Mit einer Bürokratie beschäftigt, die sich in Umfang und gefühlter Sinnlosigkeit nicht hinter der deutschen verstecken muss, verbrachten wir viele Stunden damit die Anträge auszufüllen und Dokumente einzuscannen, die wir danach zusätzlich eine Haustür von Hayden Hall entfernt in Papierform nochmals abzugeben hatten. Man fühlt sich doch gleich wie zuhause… Ähnliches haben wir übrigens später auch noch mal bei der zweiten und dritten Registrierung in Kalimpong erlebt 😀
Interessant war es ebenfalls mit zwei blonden jungen Damen in Darjeeling unterwegs zu sein. Am Flughafen bekam ich sogar kurz einen Schock, als ich seit 3 Wochen meine ersten blauen Augen sah und so kann ich gut verstehen, wenn der eine oder andere in Darjeeling sie sehr direkt angestarrt hat. Die Kinder sagten fast alle „Hello“, gaben die Hand und ließen mich einfach links liegen 😀 sehr lustig. Da Louisa ziemlich groß ist wird sie auch immer wieder beeindruckt gefragt, wie viele „feet“ sie misst.
Zwischenzeitlich habe ich dort auch ein Stück für Orchester arrangiert, dass ein ältere „Border“ für seine Band geschrieben hat und welches noch dieses Jahr im Rahmen der „Weltweiten Klänge“ aufgeführt werden soll. Dies ist ein Orchester-Projekt – wenn ich mich nicht täusche von der Jesuitenmission veranstaltet – in welchem junge Menschen aus aller Welt zusammen kommen und einige Konzerte veranstalten. Zwei unserer „Borders“ sind dieses Jahr auch dazu eingeladen.
Die neue Multimedia-Tafel...

Die neue Multimedia-Tafel…

Am letzten Abend – und gleichzeitig dem Independensday – gab es in Darjeeling selbstgemachte Pizza. Wer meine Leidenschaft kennt wird verstehen, warum ich das erwähnen muss. Mit dem Miniofen hat es zwar etwas gedauert 6 Leute satt zu kriegen, aber lecker und vor allem lebensnotwendig für mich war es allemal!Zurück in Kalimpong hat sich nicht nur einiges durch Louisas Gesellschaft hier geändert, sondern auch durch die Ankunft eines neuen Jesuitenanwärters. Jeyaraj ist in einer 3 tägigen Reise von Südindien zu uns ins Himalaya – Vorgebirge gereist und stellt unsere Reisestrapazen damit voll in den Schatten. Auch scheint es, als ob für ihn der Kulturschock in Bezug auf Klima und Essen fast noch stärker wirkt als auf uns.
Mittlerweile haben wir uns super zu dritt im oft sehr heißen Dachgeschoss eingelebt und verstehen uns alle super.
Letzte Woche hatten wir zum ersten Mal richtiges Regenzeitfeeling – es regnete 48 Stunden fast ununterbrochen, der Schulweg wurde zum Waten und das Regenlied, dass wir in der ersten Klasse lernten passte wie angegossen.Am Wochenende waren wir dann mal wieder in Darjeeling um in North Point bei einem Konzert der Kulturen teilzunehmen. Ich spielte im Bratsche im Orchester unserer „Borders“ und hatte riesigen Spaß. Andere Schulen aus verschieden Genbieten des Distrikts zeigten die traditionellen Tänze und Lieder ihrer Region und es war ein sehr buntes Spektakel für uns. Den Rest des Wochenendes verbrachten wir mit Pia und Father Paul in Hayden Hall und kehrten mit dem Schulbus über Umwege zurück nach Kalimpong. Einer jener Umwege hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Mongpu, ist eine kleine Schule auf einem abgelegenen und sehr ruhig Ort eine Stunde entfernt von Kalimpong. Ich fühlte mich da wie an einer einsamen Hütte in Schwedens Lappland. Father John eröffnete mir die Gelegenheit ein zwei Wochenenden dort zu verbringen, welche ich auf jeden Fall wahrnehmen werde!

Ein Nashornkaefer

Ein Nashornkaefer

 

Ein Blick aif die Ebene

 

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Und aus mal wieder von unserer Terasse

 

Und aus mal wieder von unserer Terasse

Je nach Wetter und Uhrzeit aendert sich staendig die Szenerie

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Guckguck

Guckguck

 

Siliguri

Siliguri

 

Nach wochenlangem Warten endlich ein Blick von Darjeeling aus ohne in den Wolken zu stehen

Nach wochenlangem Warten endlich ein Blick von Darjeeling aus ohne in den Wolken zu stehen

 

Und endlich auch einen Teil der richtig hohen Berge...

Und endlich auch einen Teil der richtig hohen Berge…