Rundbrief 8

Liebe Leute!

 

Der letzte Eintrag endete mit den Proben für den Gospelchor. Ich habe zwei Stücke gefunden und wir haben es am Ende sogar konzertreif 3-4 stimmig hinbekommen. Ein Problem ist leider häufig, dass es schwer ist alle Teilnehmer einer Gruppe zusammen zu bekommen. Die Proben, wie auch die des Orchesters finden meist nachmittags nach der Schule statt oder am Wochenende. Nach der Schule wird es dann schnell schon dunkel, viele müssen zur Nachhilfe  und am Wochenende müssen sie oft Besorgungen für die Eltern erledigen oder haben in manchen Schulen auch Samstag Unterricht. Und man darf natürlich nicht vergessen, dass es Jugendliche sind und die nicht immer Lust haben 😉

Die Nachhilfe ist hier und (wie uns berichtet wurde) wohl auch in anderen Teilen Indiens sehr weit verbreitet, selbst unter den starken Schülern. Teilweise wird uns gesagt, dass mancher Schullehrer nur nachmittags in der Nachhilfe richtig unterrichtet und in der Schulzeit nicht mal Fehler korrigiert. In der Nachhilfe gibt es dann mehr Geld und man übernimmt die Schüler eines anderen Lehrers und korrigiert dann dort. So erhält sich das System von selbst… Wenn man das Geld, dass die Eltern für die Nachhilfe ausgeben einfach den Schullehrern geben könnte, würden die vielleicht motivierter unterrichten und die Kinder sowie auch die Lehrer würden sich viel Zeit am Nachmittag sparen.

Der Beitrag zum Konzert in der Stadthalle war auf jeden Fall ein Erfolg und die Kinder haben es sehr genossen.

In der Schule gab es Anfang des Schuljahres viel und regelmäßigen Unterricht, da kaum Konzerte oder Extraaktivitäten anstanden und so sind wir in allen Klassen wirklich gut voran gekommen.

Wir sind auch noch dabei geblieben, den Musikunterricht der einzelnen Lehrer miteinander abzustimmen, sodass alle die gleichen Stücke unterrichten und wir somit die Gruppen zum Abschluss der Erarbeitung zu einem jeweiligen Klassenorchester zusammenführen können.

Ich habe auch wieder den einen oder anderen Bogen reparieren können und wir haben auch endlich einen Adapter für unser E-Piano gefunden und so kann Louisa jetzt viel besser in der Gruppe unterrichten. Leider mussten wir feststellen, dass eine Taste im mittleren Bereiche gar nicht mehr funktioniert, und selbst nach dem Öffnen des Gerätes konnten wir nichts erkennen. Da muss wohl demnächst mal ein Fachmann ran.

Zu dieser Zeit bekamen wir auch eine neue Volontärin. Asta kommt aus Mumbai, hat ihre Kindheit aber zum Großteil im Internat einer Schule in Kalimpong verbracht und hat die letzten 3 Jahre in Deutschland gearbeitet. Sie unterrichtet nun ein paar Klassen und soll wohl auch Vorschläge oder Pläne für eine Solarkraftanlage der Schule machen.

Ansonsten standen noch die Verteilung der Entwurmungsmedizin und die alljährliche Tetanusimpfung für alle Schüler an, was natürlich kein Spaß ist, wenn man danach mit dem Arm noch Geige spielen muss. Aber die meisten waren tapfer und die anderen haben eben ausgesetzt. Tetanusimpfungen für 10 Jahre gibt es von staatlicher Seite anscheinend nicht und so muss jedes Jahr nachgeimpft werden.

Ein neuer Trend unter den Kindern war lange Zeit murmeln. Überall wurde gemurmelt was das Zeug hielt, und manchmal habe ich auch mitgemischtJ. Ich finde es interessant, dass es anscheinend überall auf Schulhöfen der weiten Welt derartige Hypes gibt.

An einem Freitag des Monats gibt es jetzt übrigens immer eine kleine Kinovorstellung in der Schule.

Dann wurde erst einmal das Musiklehrerkarusell gedreht. Kamal, der Leiter der Abteilung, nahm sich für ein paar Wochen aus der Schule um bei der Regionalwahl zu kandidieren und Santos, ein junger Kollege verlies die Schule um in Mumbai eine Stelle anzutreten. Wir konnten das mit Hilfe von älteren Schülern, deren weiterführenden Schulen nicht stattfanden, und Exschülern kompensieren und haben nun nach Kamals Rückkehr Prajwal, einen ehemaligen Schüler, als dauerhaften Lehrer dazugewonnen.

Dann kam schon mein Geburtstag. Pia, die Freiwillige aus Darjeeling kam auch vorbei und zusammen mit Bidhan, unserem Freund und Kollegen, haben Louisa und ich gefeiert. Um die Überraschung des  nächsten Tages zu erraten, musste ich so einige Sachen tun; hunderte Meter auf einem Bein hüpfen, meine Fingernägel pink lackieren (was mir viele verwunderte Kommentare der Schüler einbrachte), einen Handstand machen usw.

Das Lösungswort war am Ende ‚Grillen‘ und am nächsten Tag gab es dann Bambusgemüsespieße, Nudelsalat, Wackel-/Vanillpudingauflauf und sogar Würstchen, die wir dann über dem Lagerfeuer grillten. Alles in allem eine tolle Abwechslung zum täglichen Essen hier. Leider hatte ich mir den Magen etwas an einer Eggroll vom Vortag aus der Stadt verdorben und konnte erst die Reste am folgenden Tag richtig genießen.

Und kurz darauf war auch schon Holi, das wohl berühmteste Fest Indiens, bei dem sich alle auf der Straße einen Tag mit Farbpulver beschmeißen, tanzen und feiern und am nächsten Tag das gleiche nochmal tun, nur, dass dann die Farbe mit Wasser gemischt wird und der Effekt natürlich gleich viel größer ist und auch permanenter für die Kleidung.  Angeblich wird wohl an vielen Orten auch mit Marijuana angereichertes Gebäck verteilt, was an jenen zwei  Tagen von der Polizei geduldet wird, aber davon haben wir nichts mitbekommen und hätten uns sonst natürlich auch rausgehalten.

Erst hatten wir noch eine Probe und ich konnte danach schon mal etwas mit den Kindern ‚Holi spielen‘, wie hier immer gesagt wird. Dazu kam dann auch endlich mein Holipulver zum Einsatz, dass mir in Deutschland geschenkt wurde und dass ich für einen besonderen Moment aufheben wollte. Darauf gekommen, dass ich ja hier auch Holi erleben würde bin ich bis dahin noch gar nicht.

Ein riesen Spaß war es dann auch in der Stadt und wir wurden von den Feiernden sehr begeistert aufgenommen und überall gleich ins Getümmel der tanzenden Massen und Farbschlachten gezogen. Am Ende sahen wir natürlich leicht verändert aus und es dauerte noch Tage, bis wirklich alle Farbe von der Haut verschwunden war. Die Kleidung trägt immer noch stolze Reste dieses einmaligen Festivals.

 

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Dann stand auch schon bald Ostern vor der Tür. Die Gemeinde der Gegend feiert dies mit vielen langen Gottesdiensten und vor einem solchen gab es eine Osterprozession. Dafür hatten sich tatsächlich ein paar Gemeindemitglieder als Römer und auch Jesus verkleidet und jener musste buchstäblich sein Kreuz einige hundert Meter bis zur Kirche, am Ende auch steil den Berg hoch schleppen. Er wurde dann auch tatsächlich am Kreuz festgemacht und symbolisch gekreuzigt.

Eines Tages hatten wir dann auf einmal einen neuen Volunteer vor der Tür stehen. Er heißt Dipi, kommt ebenfalls aus Mumbai und unterstützt uns vor allem im Kunstunterricht und gibt einzelnen Schülern, die nicht so gut im Unterricht mitkommen individuelle Nachhilfe, wofür sonst kaum Kapazitäten da wären.

Zu jener Zeit bereitete ich auch einen Border der höheren Klassen auf ein großes Orchesterprojekt in Mumbai vor, dass dort alljährlich in der Philharmonie dort stattfindet. Jugendliche aus ganz Indien vereinen sich dort zum ‚Indian Youth Orchestra‘ und er hat die Freude zum 3. Mal dort teilnehmen zu dürfen.

Den ersten April in seiner lustigen Bedeutung gibt es hier übrigens auch, nur dass man etwas schadenfroh als ‚Aprilfool‘ bezeichnet wird, wenn man auf eine Aprilscherz hineinfällt.

Ein paar kleinere und größere Naturgewalten gab es auch mal wieder. Einen Tag bebte für eine Minute leicht die Erde, als wir gerade zum Abendessen zusammen saßen. Es war nicht stark, aber schon ziemlich lang, vor allem, wenn man nicht weiß, dass es normalerweise nicht zunimmt, wenn es einmal schwach angefangen hat. Es wurde wohl sogar in Deutschland darüber berichtet, da es in einem weiten Radius in Indien und den nördlich angrenzenden Ländern zu spüren war. Es war aber zum Glück wohl auch so tief, dass uns keine Schäden bekannt geworden sind.

Gewisse Zeit später kam es in Darjeeling zu einem sehr starken Hagelregen, der den darauffolgenden Regen sofort gefrieren lies und so den Verkehr der Region komplett außer Gefecht setzte. Ein paar größere Dächer sind unter der Last der tischtennisballgroßen Hagelkörner zusammengebrochen.

An einem Wochenende kam dann auch mal wieder Pia aus Darjeeling (die uns das alles aus erster Hand berichten konnte) zusammen mit ihrer Mutter und einer Freundin nach Kalimpong zu Besuch. Wir hatten dann auch endlich mal einen Anlass, den höchsten Punkt des Kalimpong-Berges zu erklimmen und den Deelo-Park außerhalb der Stadt zu besichtigen. Leider war der Ausblick, wie insgesamt die letzten Monate nicht sehr gut und wir hatten keinen freien Blick auf die ‚Snowmountains‘ wie hier die ‚richtig‘ hohen Berge genannt werden (6000m+)

In letzter Zeit haben wir noch eine Hochzeit besucht, die hier gewöhnlich in zwei Feiern aufgeteilt ist – eine im Haus des Bräutigams und eine im Haus der Braut. Für jene Feiern wurden anscheinend keine Kosten gescheut und uns wurde gesagt, dass eine Hochzeit hier schon an die 4000€ kosten kann. Ich schätze, dafür könnte man hier auch ein einfaches Einfamilienhaus bauen.

Erst am Freitag ist ein ehemaliger Lehrer unserer Schule gestorben, den wir während unserer Zeit  auch kennenlernen durften. Viele Schüler und alle Lehrer wohnten der Beerdigung am nächsten Tag bei.

Für die nächste Zeit stehen schon wieder einige Projekte an. Zum einen finden die Boarderorchester wieder regelmäßig statt und durch Jakobs fleißige Reparaturen können wir demnächst ein 80 Schüler starkes Orchester bilden.

Zudem laufen bereits die Proben für unseren Gesangswettbewerb, der zwischen den vier Schulhäusern ausgetragen wird. Jeder Schüler wird ‚Hogwartsmäßig‘ (also nach britischem Vorbild) in eines Eingeteilt, sodass Schüler aller Altersklassen jeweils ein Haus bilden. Aus einem Haus werden dann jeweils zwei Junge und zwei Mädchen (eingeteilt in Junior und Senior) solo und zwei Gesangsgruppen im Chor(genauso eingeteilt) gegeneinander antreten.

Das dritte Großprojekt ist das anderthalbstündige Konzert für das Jubiläum einer Jesuitenschule in Kurseon, was unser Orchester allein bestreiten darf. Dafür müssen jetzt natürlich sehr viele Stücke vorbereitet und geprobt werden.

Ich werde berichten 😉

 

Ich habe auch mal den Schulweg und die Schule auf Fotos gebannt.

 

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Das linke Gebaude mit dem Kindergarten, den Klassen 1,2 und 6 sowie den Musikraeumen.

Das linke Gebaude mit dem Kindergarten, den Klassen 1,2 und 6 sowie den Musikraeumen.

Das Hauptgebauede mit Lehrerzimmer, Buero, Bibliothek sowie Instrumentenlager

Das Hauptgebauede mit Lehrerzimmer, Buero, Bibliothek sowie Instrumentenlager

Das rechte Schulgebauede mit den Klassen 3,4,5,7,8 und in den hinteren Raeumen die Krankenstation sowie das Computerkabinett

Das rechte Schulgebauede mit den Klassen 3,4,5,7,8 und in den hinteren Raeumen die Krankenstation sowie das Computerkabinett

Die Klasse 7

Die Klasse 7

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Das neue Wohnhaus der Jesuiten

Das neue Wohnhaus der Jesuiten

Das Instrumentenlager

Das Instrumentenlager

Schoen nummerierte Geigen ;)

Schoen nummerierte Geigen 😉

Ein blick aus dem oberen Stock

Ein blick aus dem oberen Stock

Die Bibliothek

Die Bibliothek

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