Rundbrief 7

Liebe Leute! Nach dem Zwischenseminar und dem Schulanfang wird es mal wieder Zeit für einen Rundbrief!

Am Anfang musste ich mich erst einmal daran gewöhnen allein zu reisen. Meine zwei Mitfreiwilligen hab ich erst mal am Zug verabschiedet, da sie zur gleichen Zeit ein Seminar ihrer Entsendeorganisation in Kerala besuchten. Für mich ging es nach langer Wartezeit erst einmal nach Kolkata. Störend war während der Nacht, dass das Abteillicht überhaupt nicht auszuschalten ging. Dementsprechend erschöpft erreichte ich den Bahnhof und begab mich auf die Suche nach einer Bank am Fluss. Dort verbrachte ich bestimmt 5/6 Stunden mit lesen, schlafen und lustigen Gesprächen. Ein langes hatte ich mit einem älteren Mann, der sehr lange auf Hindi mit mir redete; dass ich kaum ein Wort verstand, schien ihn nicht sehr zu stören.

Am Abend nahm ich dann den Zug nach Mumbai und verbrachte 2 Nächte auf einem in der Ebene stark nach innen geneigten Bett.
Angekommen bahnte ich mir den Weg zum Gelände des Gyan Ashram, auf dem unser Seminar stattfand und traf auch umgehend auf 6 Gesichter die mir von den Vorbereitungsseminaren noch gut bekannt waren. Die Anderen Teilnehmer waren von anderen Organisationen aber alle auf Freiwilligendienst in Indien. Schnell lernten wir uns in den kreativen Vorstellungsrunden kennen, bekamen den Seminarablauf vorgestellt und haben wiederum unsere jeweiligen Projekte den anderen präsentiert.

Das Seminar war sehr vielfältig und im bunten Mix mischten sich Vorträge zu Interkulturalität, Anpassung an andere Kulturen, Konfliktstile, Globalisierung, Kastensystem und er Rolle der Frau in Indien, mit Meditation, Ausflügen und vielen praktischen Gruppen- und Einzelarbeiten.
Sehr eindrucksvoll waren die Einheiten zum Thema der Intervison/Supervision, die zu recht viel Zeit in Anspruch nahmen. Nach einer strukturierten Methode stellt jeder ein Zentrales Problem seines Einsatzes vor, lässt dies als Betrachter von einer Kleingruppe analysieren und sucht anschließend mit der Gruppe zusammen nach Lösungs-, Erklärungsansätzen.

In der Freizeit haben wir abends meist Werwolf gespielt, uns mit Henna bekritzelt oder einmal sogar indische Tänze erlernt, wobei ich mich als Tanzmuffel zu meiner Überraschung gar nicht so schlecht angestellt habe…

Eindrucksvoll für mich war noch der spontane Besuch von mir und zwei Freiwilligen im Slum-ähnlichen Siedlung gleich in der Nachbarschaft. Wir wurden sehr freundlich und interessiert begrüßt und von Kindern umringt und konnten Eindrücke gewinnen, die bei unseren sonstigen Ausflügen, die eher touristisch geprägt, waren nicht möglich waren.
Einer jener Ausflüge führte uns aber in ein Ingenieurs-College, währenddessen wir uns sehr gut mit Studierenden austauschen konnten. Viele von ihnen nannten die Perspektive nach dem Abschluss in Amerika weiter zu studieren, viele würden letztendlich auch dort bleiben, so würde uns berichtet.
Mit hat das Seminar viel geben können. Neben den tollen Leuten, die dort wieder sehen oder kennenlernen konnte, erhielt er ich viele Impulse auf was ich im Alltag achten sollte, wo ich noch gelassener oder rücksichtsvoller werden kann und wie ich meine Zeit hier sinnvoll und gewinnbringend für alle Seiten einsetzen kann.

Die Rückreise ging dann gefühlt viel schneller von statten (die Reisezeit von 48 Stunden inklusive 12 Stunden Aufenthalt war natürlich wieder die gleiche). Lustig find ich immer noch, dass es mir auf der Zugtoiletten der Sleeper Class wirklich möglich war mich mithilfe einer Wasserflasche komplett zu duschen.
Dummerweise habe ich es auch irgendwie geschafft meine Brille durch den Wandschlitz des oberen Bettes direkt aus dem Fenster zu befördern, was mir erst einige Stunden später aufgefallen ist… In Kolkata bekam ich dann von Alex, einem anderen Volunteer, der dort unter anderem bei einer Jesuitischen Tanzschule arbeitet, eine Stadtführung, was meinen 12 stündigen Aufenthalt dieses Mal sehr kurzweilig werden lies. Es bestärkte auch den Eindruck, dass Kolkata bis jetzt die Großstadt ist, die mir unter allen anderen noch am besten gefallen hat. Ich kann es gar nicht genau begründen, irgendwie ist das Feeling da gut 🙂

Zurück in Kalimpong war es komisch auf unserer Etage allein zu sein – Jakob war wieder in Deutschland und Louisa noch auf dem Rückeeg von ihrem Seminar. Jakob hat, wie ich später erfahren habe noch unzählige Geigen repariert und spielfertig gemacht, so dass bei der Instrumentenausgabe jeder ein passendes Instrument erhalten konnte und wir noch einige in Reserve haben. Nur an Bögen oder bespannbaren Bogenstangen mangelt es leider. In Indien sind auch keine brauchbaren erhältlich, wodurch wir diesbezüglich auf Spenden außerhalb Indiens angewiesen sind (falls jemand noch den ein oder anderen Bogen rum liegen hat kann man den gern der Jesuitenmission in Nürnberg zukommen lassen, die wird sie dann sicher hierher zustellen).
Schon bald lernte ich bin unseren neuen Father Ajay kennen, der die Schule in der Leitung und als Lehrer unterstützen soll.

Die Ausgabe der Instrumente ging dieses Mal sehr viel entspannter von statten, da genügend Instrumente vorhanden, die Instrumentenlisten schon vorbereitet waren und da ich mir mittlerweile nicht mehr jeden Namen der Kinder buchstabieren lassen muss. Viel Spaß macht dieses Jahr die Singing Class der ersten Klasse. Louisa und ich halten sie von nun an zusammen und die Gruppe funktioniert so wirklich gut. Auch die Geigenanfänger der 2. Klasse stellen sich sehr geschickt an. Unseren Unterrichtspläne für die ersten Wochen haben wir gleich am ersten Tag abgesteckt und so kommen wir mit den meisten Gruppen zurzeit sehr gut voran.
Eine neue Brille hab ich auch schon in einer tibetanischer Augenklinik gefunden. 20€ voll entspiegelt! Ich war überrascht. Zu der Zeit kamen dann auch Louisas Eltern für 2 Wochen zu Besuch. Sie verbrachten viel Zeit in der Schule und halfen uns zum Beispiel indem sie Lernplakate für die Musikräume anfertigten.Das spart genauso Kopien, wie das wir die Kinder nun die meisten Stücke abschreiben lassen.

Ganz toll war, dass wir auch wieder mal Schokalden-Momos (gedämpfte Teigtaschen) gemacht haben und am letzten Abend von den Eltern ganz europäisch mit Nudeln, Tomatensoße, Käse und Pudding bekocht wurden. Da ist mir auch aufgefallen, dass Nudeln und Käse viel voller machen können als, wenn man zu viel Reis ist…
Interessant war noch ein Seminar für unsere Lehrer, über „moderne“ Lehrmethoden. Ich hätte mir diesbezüglich noch mehr Praxis gewünscht, was wir in einem weiteren Seminar vielleicht auch noch bekommen können. Nur wenige Lehrer sind geübt in verschieden Unterrichtsmethoden. Der vom Staat vorgegebene Lehrplan regt leider auch nicht gerade dazu an kreativ im Unterricht zu werden. Vorwiegend dreht er sich um bestimmte Fragen und Antworten, die auswendig gelernt werden müssen.

Letzten Freitag gab es dann noch die Vereidigung der Schul- und Haus- und Klassenkapitäne. Das System ist hier ziemlich ausgeklügelt und gleicht glaube ich dem britischen. Die Aufgaben gehen auch weit über das der deutschen Schul- und Klassensprecher hinaus. Vor allem sind sie dazu da die Klasse anzuführen, für Disziplin zu sorgen und die Klasse zur Assembly zu ordnen.
Für die nächste Zeit habe ich mir noch ein Projekt vorgenommen, allen Geigen ein bezahlbares Schulterkissen zu organisieren und hab mich schon mit einem jungen Schneider der Stadt kurzgeschlossen, der versucht das mit möglichst günstigen aber strapazierfähigen Materialen zu bewerkstelligen.

Zudem steht noch ein mehrstimmiger Gospelchor für ein Konzert in einer der weiterführenden Schulen, die manche unserer Boarders besuchen auf dem Plan.
Ich werd berichten 🙂

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